Am 10. April 2026 wurde das EES-System (Entry/Exit System) an allen Außengrenzen des Schengen-Raums vollständig in Betrieb genommen. Die Umstellung auf die elektronische Registrierung von Ein- und Ausreisen schaffte die Papierstempel in Pässen endgültig ab und führte eine automatische Kontrolle der Einhaltung der 90/180-Tage-Regel ein. Gleichzeitig kam es zu Beginn des Systembetriebs an den Grenzübergangsstellen zu einem spürbaren Anstieg der Wartezeiten.
Die Analysten von nakordoni.eu haben untersucht, wie sich die neuen Verfahren auf die Verkehrsdynamik an der Grenze zu Polen und auf die grundlegende Bearbeitungszeit pro Reisendem (service time) auswirken.
Warum die Passkontrolle länger dauert
Der Hauptgrund für die Stauentwicklung ist die Komplexität des Prüfungsalgorithmus selbst. Vor dem Start von EES dauerten die visuelle Prüfung, das Scannen des Dokuments und das Anbringen eines Stempels durchschnittlich 30–60 Sekunden pro Person. Nun kommt die obligatorische Erfassung biometrischer Daten hinzu.
- Erstregistrierung. Jeder, der die Grenze nach dem Start des Systems zum ersten Mal überquert, muss sich obligatorisch in der EES-Datenbank registrieren.
- Erfassung biometrischer Daten. Das Verfahren umfasst das Scannen der Abdrücke von vier Fingern der rechten Hand und die Erstellung eines digitalen Gesichtsfotos an einem speziellen Terminal.
- Dauer der Bearbeitung. Durch diese Schritte erhöht sich die Überprüfung einer Person auf 2–3 Minuten. Zusätzliche Verzögerungen entstehen durch technische Probleme beim Lesen von Fingerabdrücken (insbesondere bei älteren Personen) und Sprachbarrieren.
Größte Belastung – bei Reisebussen
Der kumulative Effekt der verlängerten Bearbeitungszeit macht sich im Segment der Linien- und Reisebusse am stärksten bemerkbar. Die Abfertigung eines Busses mit 50 Passagieren, die eine Erstregistrierung durchlaufen, dauert jetzt allein für die Passkontrolle 2 bis 2,5 Stunden. Die Notwendigkeit, für die Biometrie den Bus zu verlassen, verlangsamt die Logistik zusätzlich und erzeugt einen „Dominoeffekt“ für die dahinter wartenden Fahrzeuge. Um diesen Abschnitt im Voraus einschätzen zu können, haben wir im Bereich für Passagiere das „Geschwindigkeitsterminal“ gestartet: Es zeigt an, wie lange ein bestimmter Transportunternehmer tatsächlich für die Grenzüberschreitung von ukrainischer Seite benötigt – die eigentliche Abfertigung an der Kontrollstelle und nicht das Warten in der Schlange davor – und daneben sind Bewertungen und Ranglisten von über 580 Busunternehmen verfügbar.
Wann sich der Verkehr stabilisiert
Die aktuelle Verlangsamung ist eine vorübergehende Übergangsphase. Die gesammelten biometrischen Daten werden für drei Jahre (oder bis zum Ablauf der Passgültigkeit) im EES-System gespeichert. Bei späteren Übertritten führt das System nur noch eine schnelle automatische Verifizierung durch – es gleicht das Gesicht vor der Kamera mit dem vorhandenen digitalen Profil ab, ohne die Fingerabdrücke erneut zu scannen. Langfristig soll dies die Kontrolle beschleunigen, da die Grenzschutzbeamten keinen freien Platz mehr für einen Stempel suchen müssen.
Wie Sie Ihre Reise während der Anpassungsperiode planen
Während sich das EES-System stabilisiert, sollten Sie bei der Routenplanung mehrere Faktoren berücksichtigen:
- Vermeiden Sie Stoßzeiten. Die geringste Auslastung fällt traditionell auf die Mitte der Arbeitswoche (Dienstag–Donnerstag), während Wochenenden und Feiertage von mehrstündigen Staus begleitet werden.
- Behalten Sie den Status der Warteschlangen im Auge. Überprüfen Sie vor der Abreise die aktuelle Auslastung der Grenzübergangsstellen über e-Cherha und die offiziellen Ressourcen des polnischen Grenzschutzes, und sehen Sie sich die Statistik der typischen Auslastung beispielsweise auf der Seite des Grenzübergangs Krakowez an.
- Erwägen Sie alternative Übergänge. An den Übergängen Schehyni–Medyka und Krakowez–Korczowa bleibt die Auslastung konstant hoch. Wenn möglich, wählen Sie weniger frequentierte Routen, zum Beispiel Smilnyzja oder Hruschiw.
- Bereiten Sie Dokumente im Voraus vor. Die Einführung elektronischer Systeme hebt die grundlegenden Anforderungen nicht auf: Reisende müssen einen Nachweis des Reisezwecks, eine Krankenversicherungspolice und einen Nachweis der finanziellen Mittel mit sich führen. Es lohnt sich auch, sich frühzeitig mit dem ETIAS-System vertraut zu machen – einer elektronischen Einreisegenehmigung, deren Beantragung für Bürger visumfreier Länder, einschließlich der Ukraine, bald obligatorisch wird.